Der Start von #WirksamLernen war eine offene Einladung in einem Bildungsnewsletter. Nele teilte im August 2025 in ihrer Edumail diese Reflexionen:
Der Sommer ist bei mir meistens eine Zeit, in der deutlich weniger Termine im Kalender stehen als sonst. Somit war in den letzten Wochen endlich einmal mehr Zeit. um mit etwas Abstand auf meine pĂ€dagogische TĂ€tigkeit zu schauen und zu reflektieren, ob die Art und Weise meiner Arbeit sinnvoll ist. Sinnvoll definiere ich hier mit âwirkungsmĂ€chtigâ. Ich habe also den Anspruch, mit meiner TĂ€tigkeit etwas in dieser Welt zum Besseren zu verĂ€ndern. đ
Nun ist es ja so, dass sich die Herausforderung, die Gesellschaft zum Besseren zu verĂ€ndern, aus meiner Sicht bei pĂ€dagogischen TĂ€tigkeiten förmlich aufdrĂ€ngt. Denn die Frage, wie wir Bildung gestalten, berĂŒhrt immer zugleich auch die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Vor diesem Hintergrund bin ich grundsĂ€tzlich sehr zufrieden damit, pĂ€dagogisch tĂ€tig zu sein, was in meinem Fall bedeutet: Lernangebote zu konzipieren, zu erproben und vor allem ĂŒber meine Erfahrungen, gesammelten Erkenntnisse und entwickelten Inhalte zu schreiben und diese offen zu teilen.
Zunehmend schleichen sich hier aber auch Zweifel ein â vor allem, wenn ich die Welt um mich herum betrachte. Vorsichtig formuliert, scheint hier sehr vieles â sei es in Hinblick auf soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Demokratie oder ein friedliches Zusammenleben â nicht in eine positive Richtung zu gehen. Und auch schon wenn ich nur enger auf die Bildung blicke, dann ergibt sich eine riesige Diskrepanz zwischen dem, was eigentlich nötig wĂ€re und dem, was in der RealitĂ€t oft nur erreicht wird. Meine eigene Arbeit scheint mir dann viel zu wenig zu sein: ein weiterer Workshop zum Einstieg in KI, noch ein Blogbeitrag, ein weiteres Konzept fĂŒr ein Lernformat ⊠Das ist alles schön und gut, aber in solch einer zweifelnden Stimmung scheinen mir solche AktivitĂ€ten doch viel zu wenig Wirkung zu entfalten, als eigentlich doch nötig wĂ€re. Unbedingt vermeiden möchte ich zugleich, mich in einen Fatalismus zu begeben im Sinne von âDas hat ja ohnehin alles keinen Sinnâ.
Im Ergebnis meine Zweifelns bin ich stattdessen zu zwei anderen Erkenntnissen gekommen.
1. Nordstern-Orientierung
Mir wurde klarer, dass es in der Tat so ist, dass pĂ€dagogische Arbeit in einer komplexen und zunehmend digital geprĂ€gten Gesellschaft deutlich herausfordernder ist, aber zugleich dann eben auch deutlich wichtiger. Das bestĂ€rkte mich in einer Haltung des âtrotz alledemâ, die der Philosoph Antonio Gramsci aus meiner Sicht sehr passend mit âPessimismus des Verstandes und Optimismus des Willensâ beschreibt. Diese Haltung lĂ€sst sich aus meiner Sicht am besten dadurch umsetzen, dass ich mich in meiner pĂ€dagogischen TĂ€tigkeit an einem klaren Nordstern orientiere. Dieser Nordstern ist fĂŒr mich die ErmĂ€chtigung zu gesellschaftlicher HandlungsfĂ€higkeit, um so allen soziale Teilhabe und demokratische Partizipation in einer zunehmend komplexen Welt zu ermöglichen.
Wichtig ist hier im Sinne Gramscis, dass diese Nordstern-Orientierung gerade deshalb so bedeutsam ist, weil der Nordstern so unendlich weit entfernt zu sein scheint. Aber wenn wir ihn deshalb aus den Blick verlieren, dann bleiben wir ganz und definitiv im Dunkeln. Meine Hoffnung mit diesem Nordstern im Blick ist, dass ich zukĂŒnftig vielleicht einiges im Klein-Klein des pĂ€dagogischen Alltags nicht so wichtig nehme und anderes dafĂŒr sehr viel grundsĂ€tzlicher und mit sehr viel mehr Ernsthaftigkeit angehen kann. Vielleicht kann der Nordstern auch helfen, ein bisschen Mut fĂŒr zivilen Ungehorsam an der einen oder anderen Stelle finden, wenn Strukturen, so gar nicht zum pĂ€dagogischen Anspruch passen.
Das war also meine erste Erkenntnis, die vielleicht auch fĂŒr deine Situation und deinen Kontext passend ist.
2. Vernetzung
Zweitens kam ich zum Schluss, dass es sehr lohnend wĂ€re, ĂŒber die Perspektive einer strategischen Orientierung fĂŒr mehr Wirkungsmacht in meiner pĂ€dagogischen TĂ€tigkeit auch gemeinsam mit anderen nachzudenken. Denn ich bin wahrscheinlich nicht die einzige, die im pĂ€dagogischen Kontext immer mal wieder vor solchen Zweifeln steht. Und wenn es konkret um die Ausgestaltung der âTrotz alledemâ-Haltung geht, dann lassen sich gemeinsam sicher sehr viel mehr Ideen entwickeln, wie das praktisch aussehen kann. Also zum Beispiel welche Schwerpunkte, Projekte und Themen wichtig wĂ€ren, um den Nordstern der gesellschaftlichen HandlungsfĂ€higkeit nicht aus dem Blick zu verlieren und um im jeweiligen Kontext strategisch klug in wirkungsmĂ€chtigeres Handeln zu kommen. Deshalb habe ich entschieden, dass ich genau zu dieser Frage: âWie können wir unsere pĂ€dagogische TĂ€tigkeit wirkungsmĂ€chtiger gestalten?â gerne zu einem Treffen einladen möchte. (…)
Auf diese Einladung hin meldeten sich direkt ĂŒber 100 interessierte Menschen, die sich zunĂ€chst lose ĂŒber eine Signal-Gruppe und einen Mailverteiler miteinander verbanden.
Schreibe einen Kommentar