In dieser Session mit Hermann tauschten wir uns über die Gelingensbedingungen für gute Beziehungen als Basis pädagogischer Wirksamkeit aus sowie über den Umgang mit systemischen Hürden und Widersprüchen.
Zunächst sammelten wir Haltungen und Werkzeuge, die einen unmittelbar positiven Einfluss auf die Beziehungsgestaltung und damit auf die Wirkungsmacht haben:
- Präsenz, Offenheit, Neugier und Unvoreingenommenheit als grundlegende Haltungen
- Echtes Interesse zeigen, Vertrauensvorschüsse geben und dem Gegenüber das Gefühl geben, wirklich gesehen und ernst genommen zu werden
- Begegnung auf Augenhöhe, Kokreation und eine bewusst inklusiv gedachte und angewandte Sprache
Dem gegenüber identifizierten wir drei zentrale Störfaktoren, die Beziehungsarbeit blockieren und Verbindungen kappen können: Individuell genutzte Bildschirme erzeugen oft einen direkten, physischen und aufmerksamkeitsbezogenen Bruch im Miteinander. Die schiere Aufgabenlast belastet beide Seiten – Lehrende wie Lernende – und das System als Ganzes. Besonders kritisch sahen wir den Bewertungs-Bruch: Der plötzliche Wechsel von einer vertrauensvollen Kommunikation auf Augenhöhe hinein in eine formale Bewertungssituation beeinträchtigt die Wirkungsmacht massiv, da der Mensch plötzlich unter einem völlig anderen Fokus steht.
Wir nahmen einen zentralen Widerspruch in den Blick: Das Bildungssystem – von den Schulen bis hinauf zum Kultusministerium – erzeugt durch Hierarchisierung und strikte Zuständigkeiten automatisch Ungleichheit. Lehrkräfte bewegen sich in diesem System und können nicht einfach daraus ausbrechen.
Unser Lösungsansatz: Es geht darum, diesen Widerspruch als solchen zu verstehen und anzunehmen, um dann auf einer guten Beziehungsbasis in vielen kleinen Schritten positive Entwicklungen anzustoßen.
Um wirkungsmächtig in Verbindung zu bleiben, braucht es eine permanente, feine Sensibilität in der alltäglichen Interaktion. Wir diskutierten die „Beziehungs-Waage“: Lehrkräfte sollten in jeder Stunde (oder gar Sekunde) innerlich überprüfen, wo die Beziehungs-Waage gerade steht. Ist sie im Gleichgewicht, bleibt die Beziehungsqualität stabil. Verschlechtert sich die Beziehung gerade durch das eigene Verhalten oder durch Umstände, die das Gegenüber mitbringt? Oder gelingt es gerade, die Beziehung zu vertiefen und damit die pädagogische Wirkungsmacht im positiven Sinne zu vergrößern?
Unser Fazit: Für mehr Wirkungsmacht in der Bildung ist Beziehungsarbeit ein zentraler Hebel.


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