Unterstützung für pädagogisches Handeln in der Digitalität und im Sinne der wirkSamen gab es in der letzten Woche aus dem Vatikan: Was der Papst veröffentlicht, ist für pädagogische Fragestellungen im Regelfall eher weniger relevant. Bei der von Leo XIV veröffentlichten Enzyklika „Magnifica humanitas – Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ ist das aus unserer Sicht anders: Dieses Schreiben stellt Fragen von Menschenwürde, Daseinsfürsorge und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt und adressiert explizit Bildung und Schule als einen Schlüssel für einen reflektierten und förderlichen Umgang mit den Möglichkeiten der Digitalität – mit einer klaren Ausrichtung auf ein menschliches und nachhaltiges Miteinander – jetzt und in Zukunft.
Wir kuratieren im Folgenden einige Auszüge (jeweils mit den entsprechenden Nummern, wo sie zu finden sind) und empfehlen unbedingt, die gesamte Enzyklika zu lesen.
Grundsätzliche Aussagen
5. Nun ist es an uns, den Herausforderungen unserer Zeit mit Klarheit und Verantwortungsbewusstsein zu begegnen. Es ist notwendig, angemessene Regulierungsinstrumente einzuführen, die in der Lage sind, die Gerechtigkeit zu schützen und die verzerrenden Auswirkungen von technologischer Macht einzudämmen. Doch das Problem beschränkt sich nicht auf die Regulierung. Wie Papst Franziskus warnte, müssen wir uns ganz realistisch fragen, wer diese Macht heute innehat und zu welchen Zwecken sie eingesetzt wird: »Wir können aber nicht unbeachtet lassen, dass die Nuklearenergie, die Biotechnologie, die Informatik, die Kenntnis unserer eigenen DNA und andere Fähigkeiten, die wir erworben haben […] denen, welche die Kenntnis und vor allem die wirtschaftliche Macht besitzen, sie einzusetzen, eine beeindruckende Gewalt über die gesamte Menschheit und die ganze Welt« [7] verleihen. In der Vergangenheit waren es in erster Linie die Staaten, die Innovationen lenkten und steuerten. Heute sind die Haupttriebkräfte der Entwicklung hingegen private, oft transnationale Akteure, die über Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten verfügen, die denen vieler Regierungen überlegen sind. Die technologische Macht nimmt somit eine beispiellose, vorwiegend „private“ Gestalt an und ist aus diesem Grund noch schwieriger zu erkennen, zu steuern und auf das Gemeinwohl auszurichten.
13. Der Aufbau einer Welt, in der alle „zur Blüte gelangen“ können, erfordert drittens mutige gemeinsame Verantwortung. Keine Hand allein reicht aus, um die Last der Herausforderungen zu tragen, vor denen die Welt steht, und keine Hand ist so schwach, dass sie keinen Beitrag leisten könnte, »denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet« (2 Kor 12,9). Einem jeden seinen Mauerabschnitt: den Wissenschaftlern und Forschern, den Unternehmern und Arbeitnehmern, den Pädagogen und Gesetzgebern, der Zivilgesellschaft, den Volksbewegungen und den Glaubensgemeinschaften. Dies ist die Logik der Subsidiarität, welche die Zusammenarbeit zwischen Generationen, Völkern, Disziplinen und Kulturen als den wichtigsten Weg zur Förderung von Stabilität, Wohlstand und Frieden zur Geltung kommen lässt. Spannungen und Unterschiede sollen nicht einschüchternd wirken, denn sie können zu kreativen Energien werden, wenn sie von gemeinsamer Verantwortung geleitet werden.
Das Prinzip des Gemeinwohls
59. Anzuerkennen, dass jede Frau und jeder Mann eine unveräußerliche Würde hat und Rechte, die keine menschliche Macht verletzen oder aufheben darf, erfordert, dass wir die Art und Weise, wie wir zusammenleben, unsere wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen sowie das konkrete Gesicht unserer Städte entsprechend gestalten. Hieraus ergibt sich das erste wichtige Prinzip der Soziallehre, auf das ich hinweisen möchte: das Gemeinwohl. Wir können es als die gesellschaftliche Form der jedem Menschen zugestandenen Würde beschreiben. Als Benedikt XVI. auf die nicht verhandelbaren Werte Bezug nahm, die die Kirche stets verteidigen muss, zählte er dazu auch »die Förderung des Allgemeinwohls«. [75] Für einen Christen ist es in der Tat ein nicht verhandelbarer Wert, aus der kleinen Welt der eigenen Interessen herauszutreten und sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für das Gemeinwohl einzusetzen, ebenso wie für die Förderung des Lebens.
60. Das Zweite Vatikanische Konzil hat festgestellt, dass das Gemeinwohl »die Gesamtheit jener Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens [ist], die sowohl den Gruppen als auch deren einzelnen Gliedern ein volleres und leichteres Erreichen der eigenen Vollendung ermöglichen«. [76] Diese Definition bietet uns eine erste wertvolle Orientierung, da sich das Gemeinwohl nicht auf eine bloße Aufzählung von Bedingungen oder Institutionen reduzieren lässt. Es entspricht weder der Summe der Vorteile der Einzelnen noch der Schnittmenge ihrer Partikularinteressen; es ist ein größeres Gut, das allen gehört und das nur gemeinsam aufgebaut, vermehrt und bewahrt werden kann.
Das Solidaritätsprinzip
73. Nachdem ich das Gemeinwohl und die Subsidiarität beleuchtet habe, möchte ich mich dem Prinzip der Solidarität zuwenden. Es ergibt sich aus dem Menschenbild, das aus dem Glauben stammt: Jeder Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen und ist Teil eines Beziehungsgeflechts, das ihn mit seinen Mitmenschen, mit den Völkern und mit der Schöpfung verbindet. Der heilige Paul VI. erinnerte daran, dass die Verpflichtungen der Solidarität, der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe in der menschlichen und übernatürlichen Brüderlichkeit verwurzelt sind, die Menschen und Völker miteinander verbindet. [98] Solche Brüderlichkeit ist nicht nur ein inneres Streben des Gläubigen, sondern eine gesellschaftliche und politische Form, die in gemeinsamen Entscheidungen und Wegen Gestalt annehmen muss. Solidarität ist also die konkrete Erkenntnis, dass das Schicksal eines jeden mit dem Schicksal aller verbunden ist: Tatsächlich ist es so, »dass keiner sich allein retten kann«. [99] So wird die enge Verbindung zwischen Subsidiarität und Solidarität deutlich. Wenn Subsidiarität nicht von Solidarität begleitet wird, wird sie letztlich zum bloßen Schutz von Partikularinteressen; wenn Solidarität nicht mit Subsidiarität einhergeht, verkommt sie zu einer Wohlfahrt, die keine Eigenverantwortung fördert. [100] Diese Verflechtung verweist auch auf die Verantwortung für eine echte Teilhabe: Solidarität kommt zum Ausdruck, wenn jeder, persönlich und zusammen mit anderen, am Leben der Gemeinschaft teilnimmt – sich informiert, sich mit anderen zusammentut, seine Stimme erhebt, zu öffentlichen Entscheidungen und Weichenstellungen beiträgt – und dabei echte Verantwortung übernimmt, damit das Gemeinwohl in gemeinsamen Entscheidungen zum Ausdruck kommt.
Das technokratische Paradigma und die digitale Macht
92. In der Enzyklika Laudato si’ hat Papst Franziskus die zunehmende Durchsetzung eines technokratischen Paradigmas [119] in der globalisierten Welt angeprangert, also die Tendenz, persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen allein der Logik der Effizienz, der Kontrolle und des Profits zu unterwerfen. Damit wird deutlicher, dass Technik kein bloßes Werkzeug ist und dass sie, wenn sie selbst zum Beurteilungsmaßstab wird, letztendlich bestimmt, was zählt und was aussortiert werden kann. Damit wird die Schöpfung zu einem Objekt der Ausbeutung und werden die Menschen zu Rädchen in einem System erniedrigt, das immer effizienter werden muss.
93. Dieses Paradigma hat sich in den letzten Jahren rasch verbreitet, auch aufgrund der Verbreitung von Künstlicher Intelligenz, von Kognitionswissenschaften, Nanotechnologie, Robotik und Biotechnologie. Wenn technologische Entwicklung ohne eine angemessene ethische und soziale Reifung voranschreitet, kann es geschehen, dass die Mittel mehr werden, ohne dass die Menschlichkeit in gleichem Maße mitwächst. Das führt zu einem „Mehr-Haben“, aber nicht zu einem „Mehr-Sein“, und der Mensch läuft Gefahr, in erster Linie aufgrund der Leistungen bewertet zu werden, die er erbringt. [122]
95. An dieser Stelle muss eine entscheidende Tatsache gesehen werden, die ich bereits zuvor erwähnt habe: Im digitalen Bereich liegt die Kontrolle über Plattformen, Infrastrukturen, Daten und Rechenleistung in vielen Fällen nicht in der Hand der Staaten, sondern von großen wirtschaftlichen und technologischen Akteuren, die de facto die Zugangsbedingungen, die Regeln der Sichtbarkeit und die Möglichkeiten der Teilhabe selbst festlegen. Wenn sich solche Macht in wenigen Händen konzentriert, besteht die Gefahr, dass sie undurchsichtig wird und sich der öffentlichen Kontrolle entzieht. Das erhöht das Risiko einer schiefen Entwicklung, die neue Abhängigkeiten, Ausgrenzungen, Manipulationen und Ungerechtigkeit erzeugt.
Verantwortung, Transparenz und Steuerung von KI
102. Der Einsatz von KI ist niemals eine rein technische Angelegenheit: Wenn sie in Prozesse eingebunden wird, die das Leben der Menschen beeinflussen, kommt sie mit Rechten, Chancen, gutem Ruf und Freiheit in Berührung. Sensible Entscheidungen bezüglich Arbeit, Kreditvergabe, Zugang zu Dienstleistungen und dem guten Ruf von Personen laufen Gefahr, vollständig automatisierten Systemen überlassen zu werden, die »Mitleid, Barmherzigkeit, Vergebung und vor allem die Offenheit für die Hoffnung auf eine Veränderung der Person« [125] nicht kennen und dadurch neue Formen der Ausgrenzung hervorbringen können. Es kann zu eindeutig menschenverachtenden Anwendungen kommen, wie etwa der Manipulation von Informationen oder der Verletzung der Privatsphäre. Aber es kann sich auch eine weniger offensichtliche Gefahr einstellen, wenn KI-Systeme, die sich neutral und objektiv geben, Stereotypen oder ideologische Standpunkte ihrer Entwickler und Programmierer widerspiegeln und verstärken.
104. Daraus ergibt sich eine einfache, aber zwingende Konsequenz: Wir können KI nicht als moralisch neutral betrachten. In Wirklichkeit bringt jedes technische Artefakt Entscheidungen und Prioritäten mit sich: was es misst, was es ignoriert, was es optimiert und wie es Menschen und Situationen einstuft. Wenn ein System so konzipiert oder eingesetzt wird, dass es bestimmte Formen von Leben als weniger wertvoll behandelt oder sie ohne Einspruchsmöglichkeit ausschließt, dann ist es nicht ein einfaches Werkzeug, das „gut genutzt“ werden kann: Es führt bereits ein Kriterium ein, das der unveräußerlichen Würde des Menschen entgegensteht. Aus diesem Grund darf sich ethische Urteilskraft nicht darauf beschränken, zu fragen, ob wir ein bestimmtes System für einen guten oder schlechten Zweck nutzen, sondern muss sich auch fragen, wie es konzipiert ist und welches Bild von Mensch und Gesellschaft in die Daten und Modelle eingeschrieben ist, die es leiten. [126]
105. Damit KI die Menschenwürde achtet und wirklich dem Gemeinwohl dient, müssen die Verantwortlichkeiten jederzeit klar sein: angefangen bei jenen, die die Systeme entwerfen und trainieren, bis hin zu jenen, die sie nutzen und ihnen konkrete Entscheidungen anvertrauen …
Was wir nicht verlieren dürfen
112. Nachdem wir die Frage der Verantwortung und die der Steuerung von KI angesprochen haben, müssen wir zu unserem zentralen Thema zurückkehren, nämlich was es bedeutet, das Menschsein zu bewahren. Die Gefahr besteht nicht nur darin, dass bestimmte Technologien missbraucht werden, sondern dass das technokratische Paradigma, von dem wir umgeben sind und das durch die digitale Revolution und KI noch verstärkt wird, eine menschenfeindliche Anschauung als richtig und normal erscheinen lässt – eine Anschauung, nach der die Fülle des Lebens darin besteht, mehr zu besitzen, Schwächen zu reduzieren, Unvorhergesehenes auszuschließen und alles unter Kontrolle zu haben. Wenn Effizienz zum Wertmaßstab wird, ist der Mensch versucht, sich selbst als ein zu optimierendes Projekt zu betrachten und nicht als ein Geschöpf, das zu Beziehung und Gemeinschaft berufen ist.
113. In Wirklichkeit ist es immer falsch, eine einzige Dimension des Menschen zu verabsolutieren. Tatsächlich ist es nicht bloß der Mangel, der Unordnung hervorruft. Auch das, was maßlos wächst, kann zu einer Form der Armut werden. In einem Ökosystem wird das Gleichgewicht gestört, wenn sich eine einzige Art auf Kosten der anderen ausbreitet. Beim Menschen geschieht dasselbe, wenn eine einzige Fähigkeit für sich beansprucht, der Maßstab für alles zu sein. Wenn daher die Intelligenz verabsolutiert wird, geraten andere wesentliche Dimensionen des Lebens in den Hintergrund: die Gefühle, der Wille, die Hingabe und die Beziehung. Wenn technische Macht nicht ausgeglichen wird, macht sie uns nicht fähiger, sondern einsamer und anfälliger für eine Logik der Herrschaft und der Ausgrenzung. Es geht gewiss nicht darum, sich der Intelligenz zu widersetzen, sondern daran zu erinnern, dass sie, wenn sie sich auf sich selbst zurückzieht, vergisst, dass sie dazu bestimmt ist, dem Leben und dem Menschen zu dienen.
114. Der Wert einer Zivilisation lässt sich nicht an der Macht ihrer Mittel messen, sondern an der Fürsorge, die sie zu leisten vermag, an der Fähigkeit, den Mitmenschen als ein personales Gegenüber und nicht nur als Funktion zu sehen. Die Fähigkeit, füreinander zu sorgen, ist eine wichtige Dimension unseres Menschseins. Diese Fähigkeit erlernt und verfeinert man durch Erfahrung.
Die Wahrheit als Gemeingut – Wahrheit und Demokratie
132. Die Nutzung von digitalen Plattformen und von KI-Systemen beschleunigt die tiefgreifenden Veränderungen der öffentlichen und politischen Kommunikation. Mittel, die den Dialog und die Teilhabe fördern könnten, werden oft dazu genutzt, verzerrte Narrative zu konstruieren und die Grenzen zwischen dem Wahren und Falschen zu verwischen, indem Tatsachen und Meinungen vermischt werden. Desinformation hat nicht erst mit der KI begonnen, findet in ihr jedoch einen wirkungsvollen Verstärker. Die Möglichkeit, Inhalte, Bilder und Videos zu manipulieren, setzt die Bürger einseitigen oder irreführenden Sichtweisen aus. Das Problem betrifft sowohl die kulturelle als auch die moralische Dimension, weil die Qualität der öffentlichen Kommunikation direkt vom sozialen Vertrauen abhängt und dieses beeinflusst. Wahrheitsgetreue Information entsteht nämlich nicht durch zentralisierte oder automatisierte Kontrolle. Im öffentlichen Diskurs hat die Wahrheit von Sachverhalten eine rationale Dimension, weil sie Verifizierung, Bestätigung der Quellen und verantwortungsvolle Argumentation erfordert; doch vor allem ist sie relational: Sie entsteht durch vertrauensvolle Beziehungen und gemeinsames Handeln, in einem ehrlichen Austausch mit den anderen und mit der Welt. Nur die gemeinsame Suche nach der Wahrheit von Sachverhalten, die als Gemeingut verstanden wird, kann eine gerechte Kommunikation begründen.
134. Die Suche nach der Wahrheit ist ein wesentlicher Bestandteil der Demokratie, die ihrerseits ein Mittel zur Mitwirkung am Gemeinwohl ist. Wenn die Frage nach dem, was wahr ist, ihre Bedeutung verliert und an ihre Stelle ein Pragmatismus tritt, der sich mit dem begnügt, was nützlich oder wirksam zu sein scheint, wird das demokratische Leben schwächer. Denn es lebt nicht nur von Regeln und Verfahren, sondern vor allem von einer redlichen Beziehung zu den Fakten und einer realen Ausrichtung auf das Wohl des Einzelnen und des sozialen Ganzen. Die Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit führt zu einem langsamen, aber unaufhaltsamen Abgleiten zum Totalitarismus, für den, wie die Philosophin Hannah Arendt schrieb, die idealen Untertanen nicht so sehr diejenigen sind, die ideologisch überzeugt sind, sondern »Menschen, für die die Unterscheidung zwischen Fakten und Fiktion (d. h. der Wirklichkeit der Erfahrung) und die Unterscheidung zwischen wahr und falsch (d. h. den Maßstäben des Denkens) nicht mehr existiert.«
Für eine Ökologie der Kommunikation
137. Unsere erste Aufgabe besteht darin, diese Werkzeuge weder zu verteufeln noch zu vergöttern, sondern sie von einem festen Standpunkt aus zu lenken: Die Wahrheit ist ein Gemeingut und nicht das Eigentum derer, die Macht oder Sichtbarkeit besitzen. Wir müssen daher eine Ökologie der Kommunikation fördern. Auf der Ebene öffentlicher Regelungen bedeutet dies, Vorschriften zu erlassen, die die Logik hinter der Auswahl und Verbreitung von Inhalten transparenter werden lassen und den Schutz personenbezogener Daten gewährleisten. Auf sozialer und kultureller Ebene erfordert dies hingegen die Stärkung der intermediären Körperschaften, einen seriösen Journalismus sowie Orte des Austauschs, an denen Argumentation und Überprüfung mehr zählen als die unmittelbare Reaktion. Auf der Ebene der Schule und der Familie heißt dies, dass das Bewusstsein für ein neues Bildungsverständnis reifen und dass die korrekte und kritische Nutzung digitaler Instrumente, von KI sowie von Einkaufs- und Investitionsplattformen vermittelt werden muss. Und auf der Ebene der Universität besteht die große Herausforderung in der Integration von Wissen durch Vermittlung sowohl der Fähigkeit, Kenntnisse zu verknüpfen und zu kombinieren, um komplexe Sachverhalte zu verstehen, als auch von Methoden zur Überprüfung von Fakten.
Die Ketten der neuen Formen der Sklaverei sprengen
173. Diese verzerrte Sicht auf den Menschen schlägt sich heute in verschiedenen Formen der Knechtschaft nieder, die in direktem Zusammenhang mit der digitalen Wirtschaft stehen. Nichts ist in der Welt der KI immateriell oder magisch. Jede scheinbar unmittelbare und perfekte Antwort entspringt einer langen Kette von Vermittlungen, einem ausgedehnten Netzwerk aus natürlichen Ressourcen, Energieinfrastruktur und vor allem Menschen. Ein wesentlicher Teil der Funktionsweise der digitalen Wirtschaft beruht auf der stillen Arbeit von Millionen von Menschen, die in wenig sichtbaren, aber unverzichtbaren Tätigkeiten beschäftigt sind: Datenbeschriftung, Moderation von Inhalten – oftmals der schlimmsten Art – und Modelltraining. In vielen Fällen handelt es sich um junge Menschen, zumeist Frauen, die für einen Mindestlohn hart arbeiten. Zu dieser unsichtbaren Mühe kommt die noch brutalere Arbeit hinzu, die Ressourcen zu gewinnen, die für die Herstellung der Geräte und Mikroprozessoren benötigt werden, auf denen KI basiert. In einigen Regionen der Welt arbeiten Kinder und Jugendliche unter gefährlichen Bedingungen und zerkleinern Materialien, aus denen Seltenerdmetalle gewonnen werden. Körper werden verletzt, verstümmelt und verbraucht, damit der Rechenfluss nicht zum Stillstand kommt. Darüber hinaus nutzen kriminelle Netzwerke Online-Plattformen, Messaging-Systeme, anonyme Zahlungsmethoden und Profiling-Techniken, um Opfer – häufig Minderjährige – für den Menschenhandel zu gewinnen, zu kontrollieren und zu transportieren, wobei Männer und Frauen innerhalb derselben digitalen Kreisläufe, die einen Großteil der Weltwirtschaft stützen, zu „Daten“ werden, die zu verfolgen, und zu „Paketen“ werden, die zu verschieben sind. Diese Wirklichkeit stellt das Gewissen unserer Zeit vor eine große Herausforderung. Es reicht nicht aus, sich auf Effizienz zu berufen oder die Vorteile der Innovation zu preisen, wenn diese auf einer Ausbeutungskette beruhen, die bewusst verborgen bleibt. Wenn eine Technologie Emanzipation verspricht, aber weltweit neue Formen der Unterordnung hervorbringt, dann widerspricht sie dem Grundprinzip der Menschenwürde.
174. Der Kampf gegen die neuen Formen der Sklaverei ist eine entscheidende Bewährungsprobe für das ethische Urteilsvermögen im Hinblick auf KI und den digitalen Wandel. In der von Leo XIII. begründeten Tradition bekräftigt die Kirche erneut ihre entschiedene Verurteilung aller Formen von Sklaverei, Menschenhandel und der Kommerzialisierung von Menschen und mahnt die Dringlichkeit einer breit angelegten Denk- und Handlungsinitiative an, die die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen und das Gemeinwohl als Ziele der Gesellschaft und als Maßstäbe für alle persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen in den Mittelpunkt rückt. Ohne eine solche ethische und humanisierende Reflexion besteht die Gefahr, dass die wachsende Macht digitaler Systeme uns zu neuen Gräueltaten führt, die nicht weniger schändlich sind als jene der Vergangenheit, die wir heute als „fortgeschrittene“ und „zivilisierte“ Gesellschaften verurteilen.
178. In unseren Tagen zeigt der Kolonialismus ein neues Gesicht. Er beherrscht nicht mehr nur Körper, sondern eignet sich Daten an und verwandelt das persönliche Leben in verwertbare Informationen. Ganze Gebiete, insbesondere jene mit geringerer geopolitischer Bedeutung und größerer struktureller Anfälligkeit, werden derzeit von einer neuen Logik der Ausbeutung durchzogen: Gesundheitsdaten, epidemiologische Profile, genetische Karten und demografische Daten. Dies sind die neuen „Seltenen Erden“ der Macht: lebenswichtige Informationen, die, sobald sie miteinander verknüpft sind, dazu genutzt werden können, Vorhersagemodelle zu trainieren, Investitionsstrategien zu lenken, Krisen vorauszusehen und vor allem auszuwählen, wer und was zählt. Wer über die Gesundheitsdaten ganzer Bevölkerungen verfügt – heute oft unter dem Deckmantel von Forschungsinnovation oder Entwicklungshilfe erhoben –, besitzt in Wirklichkeit einen strukturellen Hebel für die Zukunft: Er kann die Bedürfnisse und die Märkte gestalten. Und er kann vor anderen entscheiden, wem Medikamente, Investitionen und Schutzmaßnahmen zugeteilt werden. Hierin liegt eine der dringlichsten moralischen Herausforderungen unserer Zeit: gemeinsames Wissen in ein Gemeingut zu verwandeln, statt es als Beherrschungsinstrument zu nutzen. Das bedeutet, den Menschen nicht nur die Daten zurückzugeben, die sie beschreiben, sondern auch die Möglichkeit, zu entscheiden, wie diese genutzt werden, von wem und für wen. Andernfalls wird das digitale Zeitalter nicht postkolonial sein, sondern in einer anderen Form kolonial.
179. Die neuen Formen der Sklaverei leben von Wirtschaftsketten und digitalen Infrastrukturen. Daher ist es notwendig, in mehrere Richtungen zu arbeiten. Erstens müssen Lieferketten, die die Technologiebranche und die digitale Wirtschaft stützen, transparenter werden, damit kein Wettbewerbsvorteil auf unsichtbarer Ausbeutung aufbaut. Zweitens müssen Unternehmen und Investoren klare Kriterien für eine präventive ethische Überprüfung (due diligence) festlegen und dabei den Schutz der Arbeitnehmer, die Bekämpfung von Zwangsarbeit sowie die sozialen Auswirkungen datengesteuerter Geschäftsmodelle zu ihren Prioritäten zählen. Darüber hinaus müssen digitale Plattformen verantwortungsbewusst mit Behörden und der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass Programme für Kommunikation, Zahlung und Profiling zu Kanälen für die Anwerbung und Kontrolle von Opfern werden. Wenn diese Maßnahmen zusammenwirken, dann kann das digitale Umfeld von einem Raum der Ausbeutung in einen Raum des Schutzes, der Prävention und der Förderung der Würde verwandelt werden.
Aussagen zu Bildung
Ein Bildungsbündnis für das digitale Zeitalter
139. In einer Zeit, in der die Wahrheit oft Interessen und Kommunikationsstrategien untergeordnet wird, kommt der Bildungswelt eine entscheidende Bedeutung zu. Doch die rasanten technologischen Veränderungen machen deutlich, wie unvorbereitet wir im Bildungsbereich sind. Die allgegenwärtigen digitalen Medien schaffen eine Kultur der Unmittelbarkeit und Überstimulation, die angesichts des Aufwands, der für die Suche nach der Wahrheit erforderlich ist, zu Ermüdung, Langeweile und Apathie führt.
140. Bildungsprozesse hingegen erfordern eine Zeit der Reifung, eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit jenseits des äußeren Scheins und ein geduldiges Voranschreiten. Das Thema ist von grundlegender Bedeutung, denn jede Technologie bildet diejenigen, die sie nutzen. Die Erziehung zum Umgang mit KI bedeutet daher auch, zu lernen, wann und wofür man sie nicht einsetzen sollte. Die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der man eine Antwort oder eine Zusammenfassung erhält, birgt die Gefahr, den Wunsch nach dem Stellen von Fragen zu ersticken – ein Prozess, der erst im Laufe der Zeit Früchte trägt. Wie Platon schrieb, werden die tiefgründigsten und wichtigsten Dinge erst nach viel Zeit und Mühe erlernt, indem man sich mit anderen austauscht und Konzepte und Erfahrungen wie Feuersteine aneinander „reibt“, bis der Funke des Verständnisses in uns entflammt. [147] Wir müssen uns darin schulen, auf KI zu verzichten, und wir müssen unsere Jugend vor der Verheißung der perfekten Maschine schützen, vor jener subtilen Verführung, die das menschliche Denken gerade dann nutzlos erscheinen lässt, wenn es am notwendigsten ist.
141. In den letzten Jahren hat die psychologische und psychiatrische Fachliteratur mit zunehmender Nachdrücklichkeit dokumentiert, wie ein verfrühter und unbeaufsichtigter Umgang mit digitalen Geräten und sozialen Medien den Schlaf, die Aufmerksamkeit, die emotionale Regulierung und die Beziehungen negativ beeinflussen kann, insbesondere während der besonders sensiblen Entwicklungsphasen und oft mit dramatischen Folgen. Hinzu kommt der leichte Zugang zu gewalttätigen oder grausamen Szenen, die die Sensibilität beeinträchtigen, zu pornografischen und hypersexualisierten Inhalten, zu Nachrichten, die den Körper und die Gefühle trivialisieren, sowie zu Angeboten, die riskantes Verhalten normalisieren. Online-Phänomene wie Grooming, Erpressung und sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen sind keine Seltenheit und sie werden noch heimtückischer durch die Nutzung von gefälschten Profilen, von Algorithmen, die gefährliche Kontakte erleichtern, sowie von KI-Tools, die Bilder und Videos manipulieren. Zu früh über ein eigenes Mobiltelefon zu verfügen und es ohne Aufsicht durch Erwachsene zu nutzen, kann junge Menschen noch verletzlicher werden lassen und Abhängigkeiten fördern, indem sie Isolation, Mobbing und Cybermobbing ausgesetzt werden und unter Druck geraten, intime Bilder oder sensible Daten weiterzugeben.
142. Für Eltern allein ist es schwierig, sich der Beeinflussung durch Geschäftsmodelle entgegenzustellen, die Aufmerksamkeit und Zeit monetarisieren. Daher ist ein Bündnis zwischen Politik, Bildungseinrichtungen und Familien unerlässlich, um die Erwachsenen bei ihrer Aufgabe konkret zu unterstützen. Es bedarf weitsichtiger politischer Entscheidungen, um den unmittelbaren Interessen der Plattformen – die in wenigen Händen konzentriert sind – entgegenzuwirken, wenn diese im Widerspruch zum Wohl der Minderjährigen stehen. In dieser Hinsicht sind gesetzgeberische Maßnahmen angebracht, um Altersgrenzen festzulegen, um Dienstleister in die Verantwortung zu nehmen, statt die gesamte Last der Kontrolle auf die Familien abzuwälzen, und um speziell Schutz vor allen Formen sexueller Ausbeutung und Gewalt im Internet zu bieten, damit die Kindheit und Jugend als kostbares Gut, das unserer Obhut anvertraut ist, wirklich geschützt ist. [148] Zugleich ist es nötig, Kinder, Jugendliche und junge Menschen so zu schulen, dass sie lernen, Manipulationen zu erkennen und auch in digitalen Umgebungen ihre eigene Würde zu verteidigen und die Würde anderer zu achten. [149]
Die zentrale Rolle der Schule
143. Die Schule ist der Ort, an dem die neuen Generationen lernen können, die Wahrheit zu suchen und zu lieben, sich mit dem Sinn des Lebens und mit der Würde eines jeden Menschen auseinanderzusetzen. Deshalb setzen viele Eltern, die möchten, dass ihre Kinder Beziehungsfähigkeit entwickeln, über kritisches Denken verfügen und sich auf solide Werte stützen, große Erwartungen in die Schule und betrachten diese als wertvolle Verbündete bei der Erziehung ihrer Kinder. Den Eltern kommt nämlich das vorrangige und unveräußerliche Recht zu, die Art der Bildung und Erziehung ihrer Kinder im Einklang mit ihren moralischen, kulturellen und religiösen Überzeugungen zu wählen. Die Welt der Schule steht heute vor einigen unaufschiebbaren Herausforderungen.
144. Die erste Herausforderung ist gesellschaftspolitischer Natur. Sowohl innerhalb einzelner Staaten als auch zwischen verschiedenen Teilen der Welt bestehen nach wie vor erhebliche Ungleichheiten beim Zugang zu Grund- und weiterführenden Schulen. In nicht wenigen Ländern hat der Staat noch nicht die notwendigen Mittel investiert, um allen eine qualitativ hochwertige Bildung zu garantieren, sei es durch eine angemessene Unterstützung des öffentlichen Schulsystems, sei es durch die Förderung privater Einrichtungen, die diese grundlegende Dienstleistung anbieten. Wenn ein wesentlicher Teil der Bildung auf verschiedenen Ebenen privaten Einrichtungen anvertraut ist, kann es vorkommen, dass der Zugang zur Schule ohne eine angemessene öffentliche Unterstützungsleistung zu sehr von den finanziellen Möglichkeiten der Familien abhängt. Angesichts dieses Risikos muss in jedem Fall der Beitrag vieler katholischer Bildungseinrichtungen anerkannt und unterstützt werden, die, obwohl sie private Einrichtungen sind, Kindern und Jugendlichen jeglicher Herkunft eine inklusive Aufnahme garantieren, auch wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familien dies eigentlich nicht zulassen würden.
145. Die zweite große Herausforderung ist pädagogischer Natur. Viele Bildungssysteme haben Mühe, mit dem Wandel Schritt zu halten und die ganzheitliche Entwicklung der Schüler zu fördern. Der Fortschritt von Informationstechnologien und KI lässt Lehrpläne, die für eine andere Zeit konzipiert wurden, rasch überholt erscheinen, während die Organisation von Schulen, die Räumlichkeiten, die Bewertungsmethoden und selbst die Rolle des Lehrers im Hinblick auf eine wahrhaft ganzheitliche Bildung, die alle Dimensionen des Menschen berücksichtigt, neu zu überdenken sind. Lehrer benötigen während ihres gesamten Berufslebens eine kontinuierliche Weiterbildung, damit sie sich positiv mit neuen Technologien auseinandersetzen und den Schülern helfen können, sie verantwortungsbewusst, kritisch und kreativ zu nutzen, statt sich passiv ihrem Einfluss zu unterwerfen.
146. Die dritte große Herausforderung ist intellektueller und weisheitlicher Natur. Wenn wir nicht aufpassen, kann ein Bildungssystem entstehen, dem die Liebe zur Wahrheit fehlt und in dem der unaufhörliche Informationsfluss Forschung, Reflexion und Unterscheidung ersetzt. Angesichts eines zunehmend fragmentierten Wissens wird es schwieriger, die Wirklichkeit als Ganzes zu erfassen, Fragen nach dem Sinn zu stellen und ein authentisches, kritisches und kreatives Denken zu entwickeln. Viele Lehrkräfte bemerken bereits Anzeichen einer Entmenschlichung, bei der junge Menschen „viel wissen“, aber Schwierigkeiten haben, ihrem Leben eine Ausrichtung zu geben, was zum Teil auf die Unfähigkeit zurückzuführen ist, Informationen und Wissen miteinander zu verknüpfen und nicht den Sinnhorizont zu verlieren. Es bedarf der Förderung einer echten Hygiene der Aufmerksamkeit: mit Rhythmen, die Stille, vertieftes Studium, Lesen und besonnene Kommunikation beinhalten. Ohne diese Elemente kann die innere Freiheit beeinträchtigt werden.
147. Die Soziallehre der Kirche ruft Familien, Schulen, christliche Gemeinschaften und öffentliche Einrichtungen zu einem erneuerten Bildungsbündnis auf. Dies konkretisiert sich, wenn die grundlegenden Prinzipien in Bildungsziele umgesetzt werden: Erziehung zur Nüchternheit und zu einem Sinn für Grenzen; Erziehung zur Anerkennung des Rechts anderer Menschen und künftiger Generationen, die Güter zu genießen, die uns gegeben sind oder die der menschliche Erfindergeist verfügbar macht; Erziehung zu Freiheit und Verantwortung; Erziehung zu einem Bewusstsein für Transzendenz und für das Gemeinwohl. Die Schule braucht nicht der Geschwindigkeit der digitalen Welt nachzujagen, sondern sollte das anbieten, was die digitale Welt allein nicht geben kann: gemeinsame Zeit für das Lernen und verlässliche Beziehungen.
Worte, die Mut machen
212. An dieser Stelle schleicht sich jedoch eine subtile Versuchung ein: zu denken, dass die Probleme zu groß und wir zu klein sind und dass unsere Entscheidungen daher nichts ändern werden. Es ist eine elegante Form der Kapitulation, die oft als Realismus getarnt ist. Sicherlich haben nicht alle den gleichen Einfluss auf die Wirklichkeit: Es gibt jene, die regieren, die über Investitionen entscheiden, die Institutionen leiten, jene, die forschen, die erziehen, die informieren, die produzieren; und es gibt jene, die anscheinend bloß ihr tägliches Leben führen. Doch niemand ist ohne Verantwortung. Alle verfügen über einen eigenen Handlungsbereich, und genau dort – nirgendwo anders – sind wir aufgerufen, zu entscheiden, ob wir die Logik der Stärke nähren (und sei es nur durch Gleichgültigkeit, Zynismus, Lüge oder Hass) oder die Logik des Friedens hochhalten (mit Wahrheit, Besonnenheit, Nähe und Fürsorge).
213. Ein katholischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, John Ronald Reuel Tolkien, hat unsere Verantwortung mittels der Worte einer seiner Figuren wie folgt beschrieben: »Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden.« [187] Die Zivilisation der Liebe entsteht nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste, sondern aus der Summe kleiner und beharrlicher Akte der Treue, die als Bollwerk gegen die Entmenschlichung dienen. Deshalb lohnt es sich, innezuhalten und einige Aspekte zu betrachten, wie wir, ein jeder in seinem eigenen Bereich, an ihrem Aufbau mitwirken können. Ohne den Anspruch zu erheben, das Thema erschöpfend zu behandeln, schlage ich fünf Ansätze für die Verantwortung im Alltag und im öffentlichen Leben vor: Worte entwaffnen, Frieden in Gerechtigkeit aufbauen, die Perspektive der Opfer einnehmen, einen gesunden Realismus pflegen, den Dialog und den Multilateralismus wiederbeleben.
214. Der erste Beitrag, den wir zu einer humaneren Zivilisation leisten können, besteht darin, auf unsere Worte zu achten: »Entwaffnen wir die Worte, und wir werden dazu beitragen, die Erde zu entwaffnen.« [188] Die Macht der Worte ist gewaltig, und wir erleben dies im täglichen Umgang miteinander, wenn jemand etwas sagt, das unsere Stimmung verändert, zum Guten oder zum Schlechten. »Der Friede beginnt bei jedem von uns: damit, wie wir auf unsere Mitmenschen blicken, ihnen zuhören, über sie sprechen; und in diesem Sinne ist die Art und Weise, wie wir kommunizieren, von grundlegender Bedeutung: Wir müssen „Nein“ sagen zum Krieg der Worte und Bilder, wir müssen das Paradigma des Krieges zurückweisen.« [189] Wir müssen daher alle eine Gewissenserforschung hinsichtlich der Worte, die wir verwenden, der Vorurteile, von denen sie durchdrungen sind, und der offenen oder versteckten Aggressivität, die in ihnen steckt, vornehmen. Wir haben eine echte Gelegenheit, zum Guten beizutragen, jedes Mal, wenn wir die Wahrheit sagen, einen weisen Ratschlag geben, jemanden unterstützen, der Trost braucht, eine Ungerechtigkeit anprangern und jemandem eine Stimme geben, der keine hat.
Wenn ihr euch z. B. mit Schüler:innen oder Kolleg:innen einem Abschnitt der Enzyklika gewidmet habt: Was kam zur Sprache, welche Resonanzen entstanden, welche Ideen, vielleicht Handlungsimpulse für die gemeinsame Arbeit? Teilt diese Reflexionen gerne als Kommentar.
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